Jura-Brevet I

Start: 06. Juni 2020 , 8:00 Uhr, Gaststätte Augustiner, Freiburg
Länge: 619 km
Höhendifferenz: ca. 6000 Hm
Maximalzeit: 40 h
maximal 90 Teilnehmer!
Unbedingt Personalausweis / Schweizer Franken mitnehmen
Beleuchtung nach StVO und Warnweste sind Pflicht
möglicher Streckenverlauf auf GPSies


Streckencharakter:

Die Berge und Anstiege dieser Strecke sind an sich gut zu fahren, keiner ist richtig steil oder hart und auf der gesamten Strecke findet sich kein Anstieg jenseits von 10%. Das ist die gute Nachricht. Aber öfters mal sind sie dann aber länger als 8 km – und es sind recht viele. Besonders die D492 zwischen Salins les Bains (KM 320) und Baume les Dames (KM 400) besteht aus fast nur diesen schier endlos langen „flachen Bergen“ (Kaugummihügel) von fünf bis sieben Prozent Steigung. Da heißt es: Geduld bewahren und ruhig und kraftsparend hochkurbeln. Keine Angst, das Ende der Strecke hat genügend flache Abschnitte, in denen man die „verlorene Zeit“ mit den gesparten Körnern locker wieder reinholen kann, andernfalls können die letzten Kilometer über die welligen Vogesenausläufer lang, sehr lang werden. Natürlich gilt dies für jede Langstrecke – aber gerade diese langen, flachen Anstiege reizen Anfangs jeden sehr leicht zum Überziehen…

Noch ein Tipp: Die Versorgungslage im französischen Jura ist nicht so üppig wie bei uns. Tagsüber ist es kein Problem, die Strecke führt an genügend Einkaufsmöglichkeiten vorbei. Aber deckt Euch bitte gut für die Nacht ein – selbst in größeren Städten ist nachts so gut wie nichts Essbares aufzutreiben. Rechnet damit, die Nacht komplett mit eigener Verpflegung zu überstehen, bis frühmorgens (auch Sonntags!) endlich wieder der Duft von Baguettes und Croissants durch die Dörfer zieht. Bäckereien in Frankreich sind "nur" reine Bäckereien im ursprünglichen Sinn - einen Kaffee wird man dort meist vergeblich suchen. Aber fast alle "Bars" (wenn sie nicht selbst Backwaren anbieten) haben nichts dagegen, wenn man sein mitgebrachtes Croissant bei einem Café au Lait dort verzehrt. Wasser gibt es im Jura in vielen Brunnen und fast jeder Friedhof in Frankreich hat im Eingangsbereich irgendwo einen Hahn mit für jedermann zugänglichem Trinkwasser.

Streckenbeschreibung:

Die Strecke führt uns weit ins entlegene, einsame Grenzgebiet des Französischen und Schweizer Juras und wenn wir diese Tour hinter uns haben, werden wir sechs Mal eine Landesgrenze überquert haben.

Wir verlassen Freiburg Richtung Südwesten um bei Fessenheim die französisch-deutsche Grenze zu überqueren, die ersten kleinen Highlights der Strecke kommen so langsam, wenn wir aufatmend die Öden der Rheinebene hinter uns gelassen haben und auf kleinen Sträßchen ins ländlich hüglige Sundgau tauchen. Nach gerade mal hundert Kilometern schon der zweite Grenzübergang: Wir sind in der Schweiz. Das mittelalterliche Städtchen Porrentruy (Pruntrut) lädt zu einer ersten Rast ein.

Nun wird es richtig schön: Ein einspuriges Traumsträßchen führt uns in moderater Steigung auf den Col de Montvoie, 863 m hoch. Der Blick zurück reicht über das Sundgau bis hinüber in den Dunst zum Rhein, den wir so bald nicht wiedersehen werden. Wieder fahren wir kaum wahrgenommen nach Frankreich, lediglich ein ehemaliges Zollhaus bewacht das schmale Sträßchen, kaum ein Anzeichen, daß wir schon wieder das Land gewechselt haben. Wir fahren hinunter in das tief eingeschnittene und an dieser Stelle weite Doubs-Tal bei Glere, rollen am Fluss entlang nach St. Hippolyte, klettern hoch nach Maîche und machen uns nach erneuter Abfahrt und Grenzübergang an den langen Aufstieg in die Schweizer Uhrenstadt La Chaux des Fonds, wo wohl erst mal eine richtige Pause fällig ist. La Chaux des Fonds liegt auf fast tausend Metern Höhe und ist mit ca. 37000 Einwohnern eine der höchstgelegenen Städte in Europa.

Von La Chaux des Fonds ist es auch nicht mehr allzu weit zum höchsten Punkt dieser Tour, zum "Col de la Vue des Alpes" auf 1283 m. Bei entsprechender Wetterlage werden wir mit einem herrlichen Alpenpanorama belohnt. Der Blick auf die Alpen ist wahrhaft gigantisch, phänomenal, atemberaubend - aber gesehen haben wir sie bislang (in nunmehr 4 Jahren) noch nie. Na ja, vielleicht klappt´s ja diesmal. Egal, denn was nun folgt, ist nicht minder schön:

Die einsamen, weiten und rauen Hochtäler des Juras üben eine ganz eigene Faszination aus - hier berühren wir auch den „Kältepol” des Jura, dort herrschten in La Brevine schon verbürgte, winterliche -41°C. Wir bewegen uns, über kleine Übergänge von einem Hochtal ins nächste wechselnd entlang der französisch-schweizerischen Grenze, bevor wir nach längerem Anstieg, nun endgültig wieder in Frankreich, Pontarlier erreichen. Der Doubs ist hier oben noch nicht mehr als ein kleiner Bach. Wir bleiben immer auf der Hochfläche bis Champagnole und lassen es hinunterlaufen bis Salins les Bains, das, von einer mächtigen Burg bewacht, weit unten im Tal liegt. Nun geht es ständig rauf und runter, die nächtliche Fahrt durch schlafende Dörfer und kleine Ortschaften fordert nun viel Kraft und Moral. Wir queren bei Ornans die Loue-Schlucht und treffen nun schon zum vierten Mal bei Baume les Dames auf den Doubs.

Das liegt nicht an uns – wir fahren gradlinig. Die Quelle des Doubs südöstlich von Pontarlier und seine Mündung sind nur 90 Kilometer voneinander entfernt - obwohl er über 450 Kilometer lang ist – in unzähligen Windungen und Schleifen hat er bis hierher von Pontarlier aus gerechnet um einiges an Kilometern mehr gemacht hat als wir – allerdings beneidenswerterweise nur bergab.

Durch weites, einsames und schier endloses Hügelland geht es nun, wir erreichen Vesoul in der Hoffnung, daß in einer Stadt von dieser Größe auch Nachts oder frühmorgens ein Ort zu finden sei, der müden Randonneuren einen Platz zum Verweilen und Rasten gönnt, bevor sie, weiß Gott allein, was die treibt und immer noch antreibt, zäh auf ihren Rädern klebend, weiter in Richtung Sonnenaufgang kurbeln. Das letzte, wellige Hindernis sind südliche Ausläufer der Vogesen, die die müden Beine noch einmal zum Glühen bringen, bevor die Strecke endgültig in die flache Rheinebene führt.

Im leichten Bogen umfahren wir den Industrie-Moloch Mulhouse und überqueren beim AKW Fessenheim zum letzten Mal auf dieser Tour eine Landesgrenze, wir sind fast wieder daheim.

Ob und wie viele innere Grenzen jeder Einzelne von uns auf dieser Tour gesehen, erreicht oder gar überwunden hat, bleibt wohl ein Geheimnis…

Streckenänderungen vorbehalten.