Landkreis-Brevet

Start: Samstag, 24.04.2021, 2 Uhr - 14 Uhr (abhängig von den Corona-Verordnungen)
Länge: 311 km
Höhendifferenz: ca. 4510 Hm (lt. Komoot)
Maximalzeit: 20 h
Beleuchtung nach StVO und Warnweste sind Pflicht.

Streckencharakter

Was uns bislang immer gefehlt hat: Ein Brevet, das uns mal so richtig in den Schwarzwald führt. Die Planer haben tief in ihrer Schatzkiste gegraben und so manches Juwel zu Tage gefördert, eine Strecke konzipiert, die wirklich zeigt was dieser Teil des Schwarzwalds zu bieten hat. Eine Besonderheit ist, dass sie innerhalb von einer Woche aus dem Kopf und komplett auf dem Reißbrett entstanden ist. Niemand ist diese Strecke bislang so gefahren und jeder Teilnehmer am Samstag wird der Erste sein.
Es ist wohl eines der schwersten Brevets unserer Serie. Aber wahrscheinlich auch eines der Schönsten. Nach dem Kaiserstuhl und dem Markräflerland, die dieses Mal etwas zu kurz kommen liegt der Schwerpunkt im Schwarzwald. Schwarzwald pur um nicht zu sagen Schwarzwald satt.

Die Grundkonzeption der Strecke stammt nicht vom hauptamtlichen Planer von ARA Breisgau und so werden Kenner unserer Brevets schnell feststellen, dass sie sich schon darin unterscheidet. So fahren wir z.B. gegen den Uhrzeigersinn und das lange Flachstück steht am Anfang nach dem Motto: Das dicke Ende kommt noch. So macht es wenig Sinn am Anfang durch die Rheinebene zu ballern und Körner zu verschwenden. Sie werden sicher alle noch gebraucht und ein sorgenvoller Blick nach links in die Schwarzwaldhöhen ist bei der Fahrt nach Süden durchaus angebracht. Der Blick nach rechts ist nicht weniger sorgen- und noch mehr sehnsuchtsvoll: Wann werden wir endlich den Mt. Ventoux wieder sehen? Wer hätte je gedacht, dass wir einmal in unseren Landkreis eingesperrt werden? Aber es war das Richtige – so können wir jedem Teilnehmer die Möglichkeit geben die Zeitvorgaben des Audax Club Parisien zu erfüllen. So weit es die Beine eben hergeben.

Die Planung innerhalb des Landkreises erforderte mitunter etwas abenteuerlich aussehende Konstruktionen. Wir müssen bis an die Grenzen gehen und der eine oder andere wird vielleicht auch an seine Grenzen kommen. Und so stimmen wir lauthals in den Chor all derjenigen ein die da rufen: Nur das Virus hat Schuld!

In Schluchsee wird die Staumauer renoviert, die Fußgängerseite ist aber begehbar. Bitte entsprechende Rücksicht nehmen. Die B31, die wir an verschiedenen Stellen unterqueren wird verbreitert, in Unadingen renoviert - auch da müssen wir durch die Baustellen. Bei der letzten nächtlichen Testfahrt am Mittwoch konnten sie aber alle noch passiert werden. Vielen Dank auch dafür an Ralph Schwörer besonders für die Heldentat sich Nächtens schiebenderweise bis hinauf auf die Müllhalde neben der Gutachtalbrücke zu quälen um danach in der explizit für Radler gesperrten Kiesgrube zu landen. Die Routenplaner im Netz haben etwas Menschliches – sie sind nicht perfekt.

Die Versorgung unterwegs sollte auch in Pandemie-Zeiten gewährleistet sein. Aufpassen sollte man aber gegen Ende hin. Je nach Startzeit könnte Schluchsee (KM 180) letzte Station sein, wo man noch einen geöffneten Laden findet. Wen der Hunger plagt findet aber in Titisee-Neustadt (KM 224) ca. 1,5 km von der Strecke Ri Innenstadt/B31 Auffahrt eine 24 Std. Tankstelle und die üblichen Imbisse an solchen Orten.

Streckenbeschreibung

Aus der Not eine Tugend zu machen, das war das Motto der beteiligten Planer dieser Tour. Es sollte eben nicht eine Notlösung werden sondern ein Highlight, eine Tour die die Vielfältigkeit und Schönheit unserer Landschaften zeigt. Zugegeben, erst bei der Beschäftigung mit dieser Tour haben wir uns mit den politischen Grenzen der Landschaften, die wir sonst so oft durchqueren näher beschäftigen müssen. Und so betrachteten wir die Vorgaben als Herausforderung an Phantasie und Ortskenntnis. Es entstand eine in dieser Form einmalige und hoffentlich wunderschöne Strecke.

Wir starten in den Kaiserstuhl und gehen da gleich mal an die nördliche Grenze. Burkheim ist ein nettes Städtchen aber angesichts der Aufgabe die vor uns liegt werden wir uns auch nicht vom Korkenziehermuseum aufhalten lassen. Ansonsten gibt es zum ersten Teil des Brevets nicht viel zu sagen. Wir fahren durch Breisach am Rhein entlang und biegen dann am südlichen Ende des Kreises Richtung Osten ab. Bei Auggen steht schon mal die erste Rampe im Weg und mit Gennenbach ist die südliche Grenze des Breisgaus auch schon erreicht. Weiter dürfen wir nicht!? Sollte es das schon gewesen sein? Wir drehen um und fahren zurück, nehmen ein paar schöne Markgräflerland-Sträßchen durch die Weinberge mit und machen uns auf ins Münstertal. Vorbei am Kloster St. Trudpert geht es jetzt schon mal richtig hoch. Aber unsere Beine sollten noch frisch sein und wir machen uns an den weithin gefürchteten Stohren, ja wir gönnen uns sogar noch eine kleine Perle im Anstieg. Der herrliche Blick und die Ruhe dort entschädigt uns für die Mühen des Aufstiegs.

Wenn wir auf der anderen Seite wieder hinuntergestürzt sind stehen wir wieder vor den Toren von Freiburg. Kirchzarten ist wohl mit die größte Herausforderung dieser Strecke, nicht nur für jene die direkt in Kirchzarten wohnen. Wir haben schon eine ausgewachsene Radtour in den Beinen, saßen schon stundenlang im Sattel, haben den härtesten Anstieg der Region bewältigt und jetzt sollen wir uns wieder aufmachen in den Hochschwarzwald der weiter oben so trefflich beschrieben wurde? Eigentlich hat jeder, der sein Rad Richtung Osten wendet schon allein für den Entschluss einen Orden verdient.
Aber Respekt auch vor den anderen, die über der Sache stehen können und mit gutem Gefühl, eine schöne Tour gemacht haben, die Sache ganz einfach gut sein lassen.

Nun, zu Ihrem Glück wissen nicht was ihnen entgeht. Es würde Seiten füllen all das zu beschreiben - daher muss uns im Moment die Aufzählung genügen: Wagensteig-Tal, die versteckten Sträßchen an Schwarzwaldhöfen vorbei auf den Thurner rauf und wieder runter, auch Titisee und Schluchsee haben wir nicht ausgelassen, Blasiwald-Muchenland, die tiefen Wälder um Faulenfürst, Bähnleradweg bei Lenzkirch, das Langenordnachtal. Und dann als krönender Abschluss die abendliche oder nächtliche, verkehrsarme Traumabfahrt über St. Märgen und St. Peter mit weiten Blicken ins Tal und über die Lichter von Freiburg.

Leider wird es uns auch dieses Mal verwehrt, unsere Erlebnisse bei Speis und Trank auszutauschen und so fänden wir es schön auf andere Weise ein Feedback über unser neustes Kind zu bekommen. Es war eine Sturzgeburt aber das Ergebnis kann sich hoffentlich sehen lassen und wir sind gespannt wie es sich entwickeln wird.

Bei all dem Spaß den wir bei der Planung und Entwicklung dieser Strecke hatten, hoffen wir dass es uns schon bald wieder möglich sein wird nicht nur bis an die Grenzen zu gehen sondern auch darüber hinaus.

Streckenänderungen vorbehalten.